Autor: Andreas Breiter

Big data soll Schulen helfen!?

Unter dem Motto „Aussieben kann nicht Aufgabe von Schule sein“ diskutiert Viktor Mayer-Schönberger die Potentiale von Big data für die Schule in seinem neuen Buch, dass jetzt auch auf deutsch herausgekommen ist (Big Data. Die Revolution, die unser Leben verändern wird. Redline-Verlag, München). Dabei nimmt er selbstverständlich an, dass Tablet-Computer und Datenanalysen das Lernen effektiver machen würden. Einen empirischen Nachweis dafür liefert er nicht. Das ist schon ein bisschen ärgerlich, denn die grundsätzliche Frage nach dem Sinn und Unsinn der datengestützten Unterrichts- und Schulentwicklung ist ja immer noch nicht beantwortet. Darauf warten Schulpraktiker/innen schon seit Jahren und wir haben aus Forschungsprojekten heraus ebenfalls dazu publiziert – von Daten zu Taten? Volle Unterstützung erhält Herr Mayer-Schönberger, dass er die Ein-Punkt-Erhebungen wie PISA kritisiert, aber er liefert auch keine überzeugenden Alternativen, die nicht massiv in die Persönlichkeitsrechte von Schüler/innen und Lehrkräften eingreifen würden. Big data klingt prima, aber ob dies organisatorisch und rechtlich jemals im deutschen Schulsystem ankommt, bleibt offen. Und ehrlich gesagt, nur weil es in den US und Großbritannien selbstverständlich ist, bedeutet noch nicht, dass …

Programmieren im Kindergarten? Das MIT macht es möglich

Forscherinnen und Forscher vom MIT in Cambridge, MA und von der Tufts University haben eine App entwickelt, die es Kindern einfach ermöglicht, Programmieren zu lernen. So zumindest schreibt es die Huffington Post in ihrer Ausgabe vom 1.10.2014. Mitch Resnick vom MIT wird dabei wie folgt zitiert: „When many people think of computer programming, they think of something very sophisticated. […] But we don’t think it has to be that way.“ Diese Initiative liegt im internationalen Trend und gleichzeitig ist das MIT immer einen technologischen Schritt voraus. Grundannahme ist es, dass ein Verständnis von Algorithmen zur Grundkompetenz des 21. Jahrhunderts gehört. In Deutschland wird noch über Sinn und Unsinn von Informatik als Pflichtfach in der Sekundarstufe gesprochen. Ob die USA hier wirklich weiter sind, wird die Zukunft zeigen.

10 Mio. Dollar für Tablet-Projekt

Sie sprießen wie Pilze aus dem Boden: In den USA ist ein neues großes Tablet-Projekt mit einem Volumen von 10 Mio. US-Dollar gestartet worden – finanziert über Sponsoren und Stiftungen unter der Federführung der Organisation Digital Promise – inklusive wissenschaftlicher Begleitung. Das berichtet die Education Week letzte Woche. Zielgruppe sind Middle Schools in strukturschwachen Bezirken (40% der Schüler/innen erhalten freies Mittagessen) mit insgesamt 4.500 Schüler/innen und 350 Lehrkräften. Das Projekt beinhaltet auch Lehrerfortbildungen. Wir dürfen gespannt sein, was die Evaluation bringen wird, nachdem einige Tablet-Projekt eher schwächeln, insbesondere aufgrund der fehlenden Einbettung in die Schulentwicklung und die mangelhafte Berücksichtigung der Folgekosten bei den Schulträgern.

Jetzt auch in Deutschland: Warum man „Coden“ lernen sollte

Bislang haben sich vor allem die Briten und die US-Amerikaner damit beschäftigt, ob und wenn ja wie „Programmieren“ (bzw. „computational literacy“) bereits als Kompetenz in der Schule vermittelt werden soll. Über Frankreich hatte ich in diesem Blog schon berichtet. Nun entdeckt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Online-Ausgabe das Thema. Unter dem Titel „Warum man Coden lernen sollte“ schreibt Johannes Boie von den ersten Ansätzen und versucht zu begründen, warum das wichtig sein soll. So richtig gelungen ist ihm das nicht. Kultusministerien, in denen Entscheidungsträger sitzen, die den Unterschied zwischen Medienkompetenz, Mediennutzung zur Steigerung von Unterrichtsqualität und Informatik nur schwerlich begreifen, werden sich davon nicht überzeugen lassen. Weitere Berichte und Argumente wären wichtig – wo sind die Informatik-Didaktiker/innen eigentlich in dieser öffentlichen Diskussion?

Frankreich: Medien und Informatik ab der Grundschule ab September 2014

Wenn es um Medienbildung und Informatik in der Schule geht, schauen wir oftmals in die USA oder nach Großbritannien. Zum einen, weil wir dort die größeren Innovationen erwarten, zum anderen wohl auch, weil die sprachliche Hürde zu groß ist (so heißt Software auf französisch „logiciel“ und digital „numérique“). Trotzdem lohnt sich der Blick zum rheinischen Nachbarn auch für die Entwicklung in Deutschland. Gerade hat der französische Bildungsminister angekündigt, dass Medienbildung (zunächst fakultativ) in der Grundschule beginnen werde. Per ordre der Zentralregierung ab September 2014. Dafür wäre es erforderlich, die Schulen erst einmal auf einen infrastrukturellen Stand zu bringen, der ihnen das ermöglicht, denn an 16.000 Schulen fehlt eine breitbandige Internetanbindung. Dies schreibt franceinfo.fr in ihrem heutigen Beitrag: „16.000 écoles ne sont toujours pas équipées de l’Internet haut débit„. Es geht – wie auch in Chicago (siehe mein früherer Blogbeitrag) – um die Förderung der Computational Literacy und nicht nur um Medienkompetenz. Ein Beispiel für Deutschland?

Chicago führt Informatik ab der Grundschule ein

Der drittgrößte US-amerikanische Schuldistrikt Chicago Public Schools hat einen Fünf-Jahres-Plan verabschiedet, mit dem sukzessive Informatik (Computer Science) als zentrales Fach (core subject) in allen Schulen eingeführt werden soll. Darüber bloggt Danielle Wilson in der Education Week. Dabei soll bereits in der Grundschule eine „computational literacy“ erworben werden, die dann in den weiteren Klassen ausgebaut wird. Ähnliche Ansätze bestehen bereits in Großbritannien. Stark dafür machen sich neben den IT-Unternehmen auch Universitäten, die zunehmend einen Schwund an interessierten Informatik-Studierenden ausgemacht haben. In Deutschland gibt es einige Bundesländer, in denen Informatik in der Sekundarstufe I verpflichtend ist. Isabelle Starruß hat vor 4 Jahren in ihrer Abschlussarbeit an der TU Dresden eine Synopse zum Informatik-Unterricht in Deutschland erstellt, die meines Wissens immer noch Bestand hat. Die Bundesländer tun sich schwer mit einer Verpflichtung, hätte dies doch Aufwand für die Entwicklung von Curricula, der Ausbildung von Lehrkräften und die Einrichtung von Professuren für die Didaktik der Informatik zur Folge. Außerdem steht Informatik in Konkurrenz zu anderen „gesellschaftlichen wichtigen Fächern“. Und nicht zuletzt findet man in Deutschland häufig genug eine Vermischung …

Regelungen zu Facebook in der Schule: 16 mal unterschiedlich

Wer hätte es auch anders erwartet: in den Bundesländer gibt es sehr unterschiedliche Regelungen zur Nutzung von Facebook. Auf der Seite des Projektes #pb21 der Bundeszentrale für politische Bildung wird dieser deutsche Sonderweg des Bildungsföderalismus wunderbar grafisch dargestellt und die entsprechenden Rechtsgrundlagen gleich dazu geliefert. Dabei steht Facebook ja nur als Synonym für soziale Netzwerke und ihr Einsatz für Kommunikationszwecke sowie die Thematisierung von Chancen und Risiken im Unterricht (also ein Teil der Förderung von Medienkompetenz). Stefan Aufenanger hat einmal die Medien in der Schule mit einem Virus verglichen. Was tun wir dagegen? Alternative 1: Glasglocke über die Schule, damit nichts hineinkommt (also verbieten) oder Alternative 2: Impfen (also immun machen gegen die Versuchung). Warten wir ab, was den Bundesländern hierzu einfällt.

Bald unterrichtet der Roboter!?

Forscherinnen und Forscher an der privaten Bremer Jacobs University forschen gerade in einem europäischen Projekt über die Möglichkeiten, ob  Roboter Lehrkräften im Unterricht von acht bis elfjährigen Kindern unterstützen können. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor. Dbaei wird davon ausgegangen, dass dies ähnlich wie bei den Sprachlaboren zu größeren Lernerfolgen führen kann. Neben der Frage, wie das gemessen werden soll und ob die Maschinen den Ansprüchen überhaupt genügen konnen, bleibt doch offen, warum das überhaupt sinnvoll sein soll. Und darüber hinaus wage ich die Prognose, dass in Deutschland diese Vision in den nächsten Jahrzehnten kaum umsetzbar sein wird, worauf alle unsere Untersuchungen zur Medienaneignung von Lehrkräften in ihrem pädagogischen Professionsumfeld hinweisen.

Programmieren ein Bildungsziel?

Johannes Kuhn schreibt in der SZ Online über seine Eindrücke von der SXSW und zieht 5 Lehren für die Zukunft. Darunter auch Nummer 4: „4. Programmieren ist ein Bildungsziel – und könnte einfacher werden Sollten Kinder programmieren lernen? Ja, sagen inzwischen größere Teile der amerikanischen Gesellschaft. Doch während die Code-Bildungsprogramme in den amerikanischen Schulen langsam ausgebaut werden, arbeitet Computer-Pionier Steven Wolfram daran, die Programmiersprachen simpler zu machen. Sein Projekt „Wolfram Language“ soll Computersprache der menschlichen Sprache ähnlicher machen. Das Projekt ist noch in der Frühphase, es gibt sehr viele Fragezeichen und technische Grenzen, doch die Vision dahinter ist spannend: Wenn Computersprachen einfacher zu lernen sind, sinkt das Einstiegslevel – größere Teile der Gesellschaft könnten so in Zukunft selbst programmieren.“ Und was sagt die deutsche Gesellschaft? In Großbritannien ist Computational Literacy Teil des Curriculums und beginnt in der Grundschule. In Deutschland wird noch darüber gestritten, ob Informatik überhaupt ein Pflichtfach in der Sekundarstufe I sein soll – die meisten Bundesländer wären darauf gar nicht vorbereitet, es fehlen schlicht ausgebildete Informatik-Lehrkräfte.

PISA Resultate: wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung?

Nun sollen die PISA Ergebnisse auch schon dafür herhalten, ob ein Land eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung vor sich hat. Das meint zumindest der Bildungsminister von Wales und die BBC berichtet darüber: „Achievement in the Pisa international school tests is vital if Wales is to have a successful economy, Welsh Education Minister Huw Lewis has said.“ Möglicherweise werden hier Henne und Ei verwechselt oder es wäre ein Grundkurs in Statistik zur Frage von Korrelation nud Kausalität erforderlich. Jetzt fehlt nur noch der Hinweis, dass dies alles mit digitalen Medien noch viel leichter und besser erreicht werden kann.