Autor: Anja Zeising

Lernen heißt Machen

So das Kredo vom allseits bekannten Konstruktionismus des Seymour Papert. Wissen konstruieren durch Konstruktion eines Dingens, eines „object-to-think-with“. Die pädagogisch vorgebildeten Leserinnen und Leser mögen jetzt gelangweilt gähnen, anderen Lesestoff aus den, auch im jungen 2015 immer noch nicht sortierten, Lesezeichen hervorkramen. Neue Aktualität bekommt die Lerntheorie im Zusammenhang mit der fortschreitenden Verbreitung von FabLabs, Maker Spaces, Hackerspaces und wie die Hightech-Werkstätten noch genannt werden. In diesen Werkstätten steht das Machen im Vordergrund, das Machen von Dingens. Dingens sind praktisch, hübsch oder intelligent – oder alles zusammen. Vor allem sind sie einzigartig, meistens zumindest. Ihre Schöpfer, die Nutzerinnen und Nutzer von FabLabs, nennen sich Maker. Das Prinzip ist einfach. Ohne aktives Handeln – die Basis konstruktionistischen Lernens – kein eigenes Dingens. Maker machen sich dafür Technologien wie 3D-Druck, Laser Cutting, 3D-Scannen, Physical Computing (Verwendung und Programmierung von Mikrocontrollern, Sensoren, Aktoren und Konduktoren) u.a. zu eigen. Der iterative Konstruktionsprozess der Dingens machen sie zu „objects-to-think-with“. Potential und Grenzen digitaler Fertigungsverfahren werden erfahrbar, Arbeits- und Aneignungstechniken explorierbar, Kompetenzen mit und über digitale Medien können erworben werden. Viele FabLabs in Deutschland arbeiten mit Schulen zusammen, punktuell projektbasiert oder regelmäßig (z.B. die FabLabs Nürnberg, Bremen, München und Bayreuth), …

Digitale Medien in der Schule sinnstiftend?

In dem von der Bertelsmann Stiftung beauftragten Bericht „Wie wirksam sind digitale Medien im Unterricht?“ führt Prof. Dr. Bardo Herzig (Uni Paderborn) Faktoren zum effizienten Einsatz von digitalen Medien in der Schule auf. Vor allem macht er deutlich: Auch hier ist die Welt bunt und nicht schwarz und weiß. Herzig flüstert ganz leise Kritik an diverse Interessensgruppen die öffentlichkeitswirksame, das meint hier pauschalisierte und mitunter verzerrend simplifizierte, Aussagen und Handlungsempfehlungen fordern. Kein Patentrezept sei zu finden, viele Faktoren haben Einfluss und müssen berücksichtigt werden um valide Aussagen zu generieren. Er benennt in dem Bericht drei primäre Einflussfaktoren, die in Korrelation stehen: „digitale Medien bzw. Medienangebote“, „Unterrichtsprozesse“ und „Lehrpersonen und Lernende“. Im Abschnitt über die am stärksten profitierenden Schülergruppen offenbart Herzig eine realistisch betrachtet wenig überraschende aber idealistisch ernüchternde Erkenntnis. „[…] je geringer das Vorwissen von Schülerinnen und Schülern ist und je weniger ausgeprägt ihre Fähigkeiten zur Steuerung der eigenen Lernprozesse und ihre grundsätzlichen kognitiven bzw. intellektuellen Fähigkeiten […] sind, desto weniger profitieren sie von spezifischen Medienangeboten […]“. Das Bild einer weiten, tiefen Mitte im Digital Divide erscheint hier vor dem inneren Auge, dessen Überbrückung das hochgesteckte Ziel sein …