Alle Artikel in: Schule

Digitale Medien und Schulen: die einen hüh, die anderen hott

Nachdem gestern die SZ Online über die Pläne der Bundesregierung zur Stärkung der „digitalen Kompetenz“ berichtet hat, bei denen es um einen Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern gehen könnte (siehe unser Blog-Eintrag), gab es in der gleichen Ausgabe ein Interview mit dem Titel: „Raus mit den Computern„. Gefragt wurde Gerald Lembke, seines Zeichens Studiengangsleiter für Digitale Medien an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und zugleich Präsident des Bundesverbandes für Medien und Marketing. Er hält es für erwiesen, dass Kinder erst ab 12 Jahren in der Schule mit digitalen Medien arbeiten und lernen sollten. Woher diese Erkenntnis stammt, verrät er nicht. Und warum jetzt ausgerechnet die Grenze bei 12 Jahren und nicht bei 11 oder 13 Jahren liegen soll, wird im Interview auch nicht deutlich. Das erinnert an die Aussagen u.a. vom ehemaligen Leiter des KFN, Pfeiffer, der immer davon sprach, dass Computer ab Klasse 5 erst Sinn machen könnten – auch so eine künstliche Grenze. Wenn wir das jetzt zusammenbringen, fällt auf, dass wir in Deutschland nach wie vor eine erhebliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit …

Große Koalition will digitale Kompetenz in den Schulen stärken

„Durch Stärkung der digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden“ heißt der Antrag, den die Fraktionen von SPD und CDU am Donnerstag in den Bundestag einbringen wollen. Damit soll einerseits die Ende 2013 im Koalitionsvertrag vereinbarte Steigerung der Medienkompetenz junger Menschen erfüllt werden, andererseits aber auch auf das ernüchternde Abschneiden der Schülerinnen und Schüler in der „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS) reagiert werden. Die Süddeutsche Zeitung, der der Antrag vorliegt, berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über die Forderungen von SPD und Union. Neben einem Breitbandanschluss für alle Schulen, Informatikunterricht ab der Grundschule und einer Verbesserung der Aus- und Fortbildung für Lehrkräfte soll es auch einen „Pakt für Digitale Bildung“ geben, der „die unterschiedlichen Aktivitäten von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bündelt“. Aufgrund der begrenzten Kompetenzen des Bundes in der Schulpolitik soll außerdem ein Länderstaatsvertrag abgeschlossen werden, in dem einheitliche Mindeststandards zur Informatik- und Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler und die fächerübergreifende und verpflichte Verankerung digitaler Lerninhalte in den Lehrplänen festgelegt werden sollen. Die Koalitionsfraktionen wollen damit „die Lebensrealität in die Schulen holen“.  

Broschüre zum Datenschutz an Schulen

Ganz aktuell hat die Medienberatung NRW eine Handreichung für Schulleitungen zum Datenschutz veröffentlicht. Mit der Broschüre soll Schulleitungen beim rechtskonformen Umgang mit personenbezogenen Daten in der Schule geholfen werden. Für Lehrkräfte ganz allgemein liefert die Broschüre Hintergrundwissen für den Umgang mit personenbezogenen Daten ihrer Schülerinnen und Schüler. Last but not least soll die Broschüre außerdem dabei helfen, Medienkompetenz unter den Vorzeichen von Datenschutz und Datensicherheit zu fördern.

Neue KIM-Studie erschienen

In der vergangenen Woche veröffentliche der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest die KIM-Studie 2014. Bereits seit 1999 werden Kinder zwischen sechs und 13 Jahren sowie ihre Haupterzieherinnen (überwiegend Mütter) zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. Medien spielen bei Kindern in diesem Alter eine wichtige Rolle: Zwei Drittel von ihnen sind an dem Thema Internet/Computer/Laptop interessiert. Ihr Interesse an diesen Medien steigt zudem mit zunehmendem Alter. Die 12- bis 13-Jährigen können auf diese Medien sogar am wenigsten verzichten, bei den jüngeren liegt noch der Fernseher vorne. Neben Hausaufgaben und Lernen für die Schule sowie Spielen mit den Freunden, ist die Beschäftigung mit Medien in der Freizeit weit verbreitet. Ein Viertel der Kinder surft (fast) täglich im Internet, 38 Prozent nutzen ebenso häufig ein Handy oder Smartphone. Immerhin 47 Prozent der Kinder können ein Handy oder Smartphone ihr eigen nennen. Auffällig dabei ist, dass sie diese Medien häufig alleine nutzen. Der Vergleich zu der Vorgängerstudie zeigt, dass sich der Anteil derjenigen, die das Internet nutzen, kaum verändert hat. Den entscheidenden Unterschied machen hier jedoch die Häufigkeit und die Dauer der Nutzung: …

Snappet bald der Renner in Deutschland?

Vor wenigen Tagen hat die Snappet GmbH mit ihrem Grundschultablet gleichen Namens den Deutschen Bildungsmedienpreis Digita für den Bereich Allgemeinbildende Schulen gewonnen. Es handelt sich dabei um ein 7-Zoll Tablet mit vorinstallierten Lernprogrammen für die Fächer Deutsch und Englisch für den Unterricht in den Klassen 2 bis 4. Alle Aufgaben werden dabei laut Aussagen des Herstellers speziell auf das Niveau der Schülerinnen und Schüler zugeschnitten. Auf Basis der Eingaben der Kinder werden die Aufgaben automatisch an Lernstand der Kinder angepasst und soll auf diese Weise ein optimales Lernergebnis präsentieren. Die Lehrkräfte können dabei jederzeit Informationen über den jeweiligen Lernstand der Kinder abrufen. Gleiches gilt auch für die Eltern, die online ebenfalls Einblick in den Lernstand ihrer Kinder bekommen. In der Begründung der Jury zur Preisvergabe heißt es u. a.: „Die einfache Handhabung und die nutzerfreundliche Gestaltung des Systems können aus Sicht der Jury bei Eltern oder in Lehrerkollegien eventuell vorhandene Vorbehalte gegenüber dem Einsatz digitaler Medien in der Grundschule abbauen. Der didaktische Wert des Angebots liegt in der Ergänzung von Lehrwerken und im offenen oder …

Chromebooks der Renner in den USA

Nach Analysen von Marktforschern der Firma Futuresource haben Chromebooks mit einer Wachstumsrate von 40% in 2014 den US-amerikanischen Markt im Schulbereich umgekrempelt. Während weltweit und insbesondere in Westeuropa nach wie vor Windows-Geräte dominieren, spielen die google-Geräte in US-amerikanischen Schulen einer immer größere Rolle. Ein offensichtlicher Grund liegt im günstigen Kaufpreis für die Schuldistrikte. Aber dahinter liegt eine ganz andere Motivation: die meistens Leistungstests für Schülerinnen und Schüler auf Distrikt, Bundestaats- und Bundesebene in den USA werden sukzessive auf computer-basierte Verfahren umgestellt (siehe auch unsere Publikationen dazu). Im Artikel der Online-Zeitschrift Education Week sagt einer der Marktforscher dazu: „Chrome has absolutely flown,“ said Fisher in a phone interview. „It has an attractive price point“ for districts that need to prepare quickly for online assessments, he added.“ In Deutschland sind Chromebooks nicht nur aus datenschutzrechtlichen Gründen bedenklich. Das Unternehmen macht derzeit noch weniger aggressive Werbung und es fehlt die „Zwangsanwendung“ von zentralen staatlichen Testverfahren. Wie lange noch?  

Von der „Überdigitalisierung“ der Schule

Anlässlich der didacta hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Karl Kraus, seines Zeichens Direktor eines bayrischen Gymnasiums, in einem Interview mit deutschlandradio kultur mal wieder klar Stellung bezogen: „Wogegen ich etwas habe, das ist die Euphorie, zu glauben, Schule könnte nun völlig anders gestaltet werden, völlig umgekrempelt werden, die totale Zwangsdigitalisierung, diese Euphorie stört mich. […] Es hat mir bislang noch niemand nachweisen können, dass eine Totaldigitalisierung des Unterrichts beziehungsweise eine Eins-zu-eins-Computer-und-Tabletversorgungsrate für Schüler den Schülern wirklich etwas bringt […]“. Damit macht Herr Kraus deutlich, dass er erstens wenig Einblicke in die Situation an deutschen Schulen und schon gar nicht bezüglich der Potenziale digitaler Medien hat und stellt zweitens klar, dass er trotzdem darüber sprechen kann. Der Gradmesser des Erfolgs sei – so Kraus – das Abschneiden in Leistungstests. Und da hat er Recht! Eine kausale Beziehung zwischen digitalen Medien und „Leistungssteigerung“ ist kaum messbar. Das Konzept der Medienkompetenz ist aber offensichtlich noch nicht so weit im Lehrerverband vorgedrungen. Es scheint, als ginge es da um eine lehrerzentrierte Angelegenheit: „Also, es muss nicht jedes Kind, …

Onlinekurs zum unterrichtlichen Einsatz mobiler Endgeräte für angehende Lehrkräfte

Im letzten Beitrag in diesem Blog hat Andreas Breiter über die Probleme der Ausstattung mit mobilen Endgeräten in L. A. berichtet. Neben der Ausstattung mit Geräten stellt sich im Zuge der Medienintegration natürlich immer auch die Frage nach der erforderlichen Qualifizierung der Lehrkräfte. Das baden-württembergische Kultusministerium versucht es jetzt mit einem eigenen 7-wöchigen MOOC, das sich vor allem an Referendarinnen und Referendare im Bundesland richtet. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer sollen im Verlauf des Kurses lernen, wie sie Smartphones und Tablets als Werkzeuge der Unterrichtsgestaltung einsetzen können. Umgesetzt wird der Kurs vom Zentrum für Mediales Lernen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Man darf gespannt sein, wie viele angehende Lehrkräfte sich auf dieses Angebot einlassen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Popularität von Erklärvideos für das Aneignen von Wissen und Fertigkeiten zumindest eine gute Idee. Die erste Lerneinheit ist bereits online und die Inhalte der Videos leicht nach zu vollziehen.

Schüler/innen in L.A. müssen auf Computer warten

Ursprünglich war es wahrscheinlich das größte und ambitionierteste Ausstattungsprojekt der Welt: Fast 650.000 Schülerinnen und Schüler sollten im Schuldistrikt von Los Angeles mit Tablets eines präferierten Herstellers ausgestattet werden. Aufgrund von Querelen, fehlender curricularer Anbindung und unklaren Zielsetzungen geriet das Projekt ins Stocken. Jetzt meldet sich Ramon Cortines, der neue Superintendent (so etwas wie eine Mischung aus Oberschulrat und Schuldezernentin, aber von den Einwohner/innen gewählt!) zu Wort und sagt: „… I believe that currently the district does not have sufficient funds to purchase and maintain technology in a 1:1 model.“ (Statement auf den Seiten des LAUSD). Insbesondere die langfristigen Folgekosten wären im Moment nicht absehbar. Vielleicht eine kleine Warnung für deutsche Schulträger. Oder doch lieber Bring-your-own-device?