Alle Artikel in: Schule

Die deutsche madig-machende Schulleitung

Eine Befragung von Schulleiterinnen und Schulleitern in Deutschland soll die Diskussion über digitales Lernen in der Schule um ihre Perspektive bereichern. Als Ergebnis wird das Thema Nummer Eins „Cybermobbing“ gegenüber Lehrkräften sowie Mitschülerinnen und Mitschülern und gleich im Anschluss die fehlende kritisch-reflektierte Betrachtungsweise digitaler Medien und ihrer Inhalte seitens der Schülerinnen und Schüler bekannt (mmb-Trendmonitor II/2015, S.2f). Dass der Einsatz digitaler Medien als didaktisches Mittel sowie als Lerngegenstand primär von der Lehrkraft abhängig ist, wird auch in dieser Umfrage deutlich. Der Umstand, dass Schülerinnen und Schüler einerseits Selbstverständlichkeit in der Nutzung digitaler Medien mitbringen und andererseits in der Schule umfassende Medienkompetenz (z.B. nach Baake oder Tulodziecki) aufbauen können sollen, muss das sich hartnäckig haltende Rollenverständnis einer allwissenden Lehrkraft in eine Krise stürzen. Leitungs- und Lehrpersonal wollen den Schülerinnen und Schülern die Nutzung beliebter Dienste im digitalen Raum „nur madig machen“, so das von Schulleiterinnen und Schulleiter eingeschätzte Meinungsbild der Schülerinnen und Schüler. Das beizeiten erworbene pädagogische Methodenwissen stößt an seine Grenzen und die Rolle der Lehrkraft – so auch die Hinweise in dieser Befragung – muss hinterfragt und reformiert werden, wie es in Expertenkreisen schon länger diskutiert wird. Neben den Medien(-didaktischen)kompetenzen der Lehrkräfte und dem …

Handys schaden dem Lernen: hier ist der Beweis

Die ehrwürdige London School of Economics (LSE) hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, die „nachweist“, dass Schülerinnen und Schüler an Schulen mit Handy-Verbot (in Großbritannien) signifkant besser bei den nationalen Tests (GCSE) abschneiden, als weniger restriktive Schulen. Das berichtet der Guardian in seiner Ausgabe vom 15.5.2015. Unter dem Titel „Distraction & Student Performance“ haben Beland und Murphy detailliert untersucht, wie sich die Handy-Nutzung insbesondere bei „schwächeren“ Schülerinnen und Schülern negativ auf die Leistungsergebnisse ausgewirkt hat. Ist das nun Wasser auf die Mühlen der Handy-Verbieter (und darunter sind einige deutsche Schulen, die eher aus dem Bauch heraus argumentieren) oder zeigt dies nur, dass Medienkompetenz noch viel stärker in den Alltag der Schule integriert werden muss?

Tolle Nachrichten für die Schulentwicklung

Nun ist es endlich soweit: Am 29. April 2015 steigt in Berlin die Gründungsfeier der Deutschen Schulakademie. Ziel der Schulakademie, die von der Robert-Bosch-Stiftung zum Anschub finanziert wird, ist es, Materialien für gute Schulpraxis zur Verfügung zu stellen, zu Fragen der Schul- und Unterrichtsentwicklung zu beraten und innovative Fortbildungen für Lehrer und Schulleiter zu organisieren. Durch den konsequenten praxisorientierten Ansatz besteht die Hoffnung, dass Bewegung in die vornehmlich psychologisch geprägte Bildungsforschung kommt und am Ende auch hilfreiche Ergebnisse für die Schule heraus kommen. Dafür steht sicherlich auch der neue Leiter der Schulakademie, Prof. Hans Anand Pant, einer der beiden Direktoren des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), der von dort ab Sommer wechselt. Für die Medienintegration ist dies ein gutes Zeichen und wir wollen hoffen, dass Medien als integrative Teile einer innovativen Schule im pädagogischen wie im administrativen Bereich wieder mehr in den Fokus rücken.

Medienkompetenz: Wenigstens die Expert/innen sind sich einig

Heute fand ein öffentliches Fachgespräch des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages unter der Leitung der Vorsitzenden Saskia Esken (SPD) statt. Als Expert/innen waren geladen: Prof. Dr. Birgit Eickelmann (Universität Paderborn); Richard Heinen (Universität Duisburg-Essen); Uwe Lübking (Beigeordneter des Deutschen Städte- und Gemeindebundes); Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow (Universität Paderborn) und Daniel Seitz (mediale-pfade.org). Alle waren sich darin einig, dass Medienkompetenz wichtig sei und stärkten dem Antrag der Regierungsfraktionen den Rücken. Die Ausschussvorsitzende schreibt auf ihrer Webseite: „Medienkompetenz und informatorische Grundbildung werden in einer zunehmend digitalisierten Welt immer bedeutender. Die Ausführungen der Experten haben uns gezeigt, dass wir uns mit diesem Antrag und seinem vorgeschlagenen Maßnahmenbündel auf dem richtigen Weg befinden.“ Wir erfreulich! Und dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass weder der Bund noch der Bundestag hier eine Steuerungskompetenz hat. Mal sehen, wie das die Länder finden. Leider wurde auch an diesem Ort mal wieder Medienkompetenz und algorithmische Kompetenz miteinander verschmolzen, obwohl es zwei sehr unterschiedliche Bereiche sind – wie uns eindrucksvoll der lehrplan21 aus der Schweiz aufzeigt. Ansonsten hat die Anhörung auf …

Schulinformatik für mehr Medienkompetenz

In ihrer aktuellen Erklärung spricht sich die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) für die verbindliche Einführung der Schulinformatik aus: „Informatische Bildung sichert die Teilhabe unserer Jugend an der digitalen Gesellschaft. Hierzu ist sowohl eine fächerübergreifende Medienbildung als auch ein zeitgemäßer Informatikunterricht unabdingbar.“, sagte Prof. Dr. Steffen Friedrich, Sprecher des Expertenkreises. Ebenso wichtig sei es, Kinder und Jugendliche unter Nutzung digitaler Werkzeuge zur aktiven, kreativen Gestaltung ihrer Welt zu befähigen. Ein selbstbestimmtes Agieren in der digitalen Welt sowie der sichere Umgang mit den notwendigen Fachbegriffen, wie z. B. „Netzneutralität“, sei nur mit Wissen zu den zugehörigen informatischen Konzepten möglich, so die Schlussfolgerung der Informatiker (Quelle: GI-Pressemeldung vom 9.4.2015)“. Die Bildungserklärung der GI kann im direkten Zusammenhang mit dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler/innen in der so genannten ICILS-Studie (International Computer and Information Literacy Study) gesehen werden.  Seit Veröffentlichung der Studie im letzten Winter, die computerbezogene Fähigkeiten deutscher Schüler/innen im internationalen Vergleich gemessen hat, ist wieder heftig Bewegung in das Thema Medienkompetenzförderung und die verbindliche Verankerung von Medienbildung in schulischen Bildungsstandards und Curricula gekommen. Auch dem Bundestag war …

Digitale Medien und Schulen: die einen hüh, die anderen hott

Nachdem gestern die SZ Online über die Pläne der Bundesregierung zur Stärkung der „digitalen Kompetenz“ berichtet hat, bei denen es um einen Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern gehen könnte (siehe unser Blog-Eintrag), gab es in der gleichen Ausgabe ein Interview mit dem Titel: „Raus mit den Computern„. Gefragt wurde Gerald Lembke, seines Zeichens Studiengangsleiter für Digitale Medien an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und zugleich Präsident des Bundesverbandes für Medien und Marketing. Er hält es für erwiesen, dass Kinder erst ab 12 Jahren in der Schule mit digitalen Medien arbeiten und lernen sollten. Woher diese Erkenntnis stammt, verrät er nicht. Und warum jetzt ausgerechnet die Grenze bei 12 Jahren und nicht bei 11 oder 13 Jahren liegen soll, wird im Interview auch nicht deutlich. Das erinnert an die Aussagen u.a. vom ehemaligen Leiter des KFN, Pfeiffer, der immer davon sprach, dass Computer ab Klasse 5 erst Sinn machen könnten – auch so eine künstliche Grenze. Wenn wir das jetzt zusammenbringen, fällt auf, dass wir in Deutschland nach wie vor eine erhebliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit …

Große Koalition will digitale Kompetenz in den Schulen stärken

„Durch Stärkung der digitalen Bildung Medienkompetenz fördern und digitale Spaltung überwinden“ heißt der Antrag, den die Fraktionen von SPD und CDU am Donnerstag in den Bundestag einbringen wollen. Damit soll einerseits die Ende 2013 im Koalitionsvertrag vereinbarte Steigerung der Medienkompetenz junger Menschen erfüllt werden, andererseits aber auch auf das ernüchternde Abschneiden der Schülerinnen und Schüler in der „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS) reagiert werden. Die Süddeutsche Zeitung, der der Antrag vorliegt, berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über die Forderungen von SPD und Union. Neben einem Breitbandanschluss für alle Schulen, Informatikunterricht ab der Grundschule und einer Verbesserung der Aus- und Fortbildung für Lehrkräfte soll es auch einen „Pakt für Digitale Bildung“ geben, der „die unterschiedlichen Aktivitäten von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bündelt“. Aufgrund der begrenzten Kompetenzen des Bundes in der Schulpolitik soll außerdem ein Länderstaatsvertrag abgeschlossen werden, in dem einheitliche Mindeststandards zur Informatik- und Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler und die fächerübergreifende und verpflichte Verankerung digitaler Lerninhalte in den Lehrplänen festgelegt werden sollen. Die Koalitionsfraktionen wollen damit „die Lebensrealität in die Schulen holen“.  

Broschüre zum Datenschutz an Schulen

Ganz aktuell hat die Medienberatung NRW eine Handreichung für Schulleitungen zum Datenschutz veröffentlicht. Mit der Broschüre soll Schulleitungen beim rechtskonformen Umgang mit personenbezogenen Daten in der Schule geholfen werden. Für Lehrkräfte ganz allgemein liefert die Broschüre Hintergrundwissen für den Umgang mit personenbezogenen Daten ihrer Schülerinnen und Schüler. Last but not least soll die Broschüre außerdem dabei helfen, Medienkompetenz unter den Vorzeichen von Datenschutz und Datensicherheit zu fördern.

Neue KIM-Studie erschienen

In der vergangenen Woche veröffentliche der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest die KIM-Studie 2014. Bereits seit 1999 werden Kinder zwischen sechs und 13 Jahren sowie ihre Haupterzieherinnen (überwiegend Mütter) zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. Medien spielen bei Kindern in diesem Alter eine wichtige Rolle: Zwei Drittel von ihnen sind an dem Thema Internet/Computer/Laptop interessiert. Ihr Interesse an diesen Medien steigt zudem mit zunehmendem Alter. Die 12- bis 13-Jährigen können auf diese Medien sogar am wenigsten verzichten, bei den jüngeren liegt noch der Fernseher vorne. Neben Hausaufgaben und Lernen für die Schule sowie Spielen mit den Freunden, ist die Beschäftigung mit Medien in der Freizeit weit verbreitet. Ein Viertel der Kinder surft (fast) täglich im Internet, 38 Prozent nutzen ebenso häufig ein Handy oder Smartphone. Immerhin 47 Prozent der Kinder können ein Handy oder Smartphone ihr eigen nennen. Auffällig dabei ist, dass sie diese Medien häufig alleine nutzen. Der Vergleich zu der Vorgängerstudie zeigt, dass sich der Anteil derjenigen, die das Internet nutzen, kaum verändert hat. Den entscheidenden Unterschied machen hier jedoch die Häufigkeit und die Dauer der Nutzung: …