Lernförderliche IT-Ausstattung an Schulen als milliardenschwere Daueraufgabe

Wenn Schülerinnen und Schüler und auch die Lehrkräfte die in der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ formulierten Bildungsziele erreichen sollen, sind lernförderliche IT-Infrastrukturen in allen Schulen notwendig. Dazu gehören aus unserer Sicht

  • für eine durchschnittliche weiterführende Schule: individuelle mobile Endgeräte für alle Schülerinnen und Schüler sowie mindestens zwei in Klassenstärke ausgestattete Computerräume,
  • für eine durchschnittliche Grundschule: mindestens 5 (mobile) Endgeräte je Unterrichtsraum sowie ein Computerraum in Klassenstärke,
  • moderne Präsentationstechnik in allen Unterrichtsräumen,
  • breitbandige Internetzugänge,
  • lokale und drahtlose Schulnetzwerke,
  • geignete Inhalte (Lernplattformen und -portale, Lern- und Standard-Software, Medienlizenzen, digitale Schulbücher und Programmierbaukästen),
  • ein ausreichender technischer Support (min. 1 Techniker für 400 Endgeräte),
  • sowie eine umfassende pädagogische Unterstützung.

Andreas Breiter, Anja Zeising und ich haben in einer Kurzstudie für die Bertelsmann-Stiftung ausgerechnet, welche Kosten dafür für eine durchschnittliche weiterführende bzw. Grundschule jährlich anfallen und haben Überlegungen dazu angestellt, wer für die Kosten aufkommen müsste und was das dann hochgerechnet auf alle Schulen dieser beiden Schularten in Deutschland bedeuten würde.

In unserer Kalkulation, die auf unseren langjährigen Erfahrungen basiert, kommen wir auf rund 260 Euro pro Schüler/in, die jährlich für die IT-Ausstattung und den Support in einer Grundschule aufgewendet werden müssten bzw. 400 Euro pro Schüler/in einer weiterführenden Schule. Auf alle rund 8 Mio. Schülerinnen und Schüler dieser Schularten hochgerechnet werden künftig also 2,8 Mrd. Euro benötigt – und zwar jährlich!

Wir gehen davon aus, dass diese Summe zu 80 Prozent von den Kommunen und 20 Prozent von den Bundesländern getragen werden müsste. Inwieweit sich der Bund (z.B. über den angekündigten und dann verschobenen Digitalpakt) beteiligen wird, um die Kommunen zu entlasten ist noch völlig offen – hierzu bisher noch keine News aus Jamaika.

Natürlich investieren die Kommunen auch jetzt schon in IT, aber wieviel das deutschlandweit ist, kann niemand so genau sagen. Wir wissen von vielen Schulträgern, die jährlich um die 20 Euro pro Schüler/in und Jahr für Schul-IT zur Verfügung haben, kennen einige Schulträger mit Medienentwicklungsplan und langjähriger Erfahrung in der Umsetzung, die inzwischen rund 100 Euro pro Schüler/in aufwenden können und wenige Leuchttürme, die etwa die Hälfte der rund 350 Euro pro Schüler/in aufbringen, die nach unserem Modell erforderlich wären. Selbst wenn der Bund sich für einige Zeit über einen Digitalpakt beteiligt (zur Erinnerung: im Gespräch waren einmal 5 Mrd. Euro für 5 Jahre, also 1 Mrd. pro Jahr für einen begrenzten Zeitraum) bleibt noch ein erhebliches Finanzierungsdelta für die Kommunen.

Eine Möglichkeit dieses zu schließen läge darin, die Eltern über die Finanzierung der Endgeräte zu beteiligen. Ein schwieriges Unterfangen bei Lernmittelfreiheit in einigen Bundesländern und sehr unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten der Elternhäuser. Inwieweit Eltern in der Breite überhaupt dazu bereit wären, sich zu beteiligen und unter welchen Bedingungen, hat bisher noch niemand untersucht.

Im Ergebnis wird ein gemeinsamer Kraftakt von Bund, Ländern und Kommunen sowie perspektivisch auch den Eltern nötig. Hierfür braucht es eine zügige und umfassende Verständigung in der nächsten Legislaturperiode, die diese dann aber auch überdauern muss – einmalige Investitionen für einen begrenzten Zeitraum sind nicht ausreichend. Das wird eine milliardenschwere Daueraufgabe.

Direkt zur Kurzstudie.
Ein Interview von Prof. Andreas Breiter zum Thema.
Das Thema auf Spiegel ONLINE.

Der Geist ist willig, das WLAN schwach

Neue Bertelsmann-Studie zum Stand des digitalisierten Lernens in Deutschlands weiterführenden Schulen veröffentlicht.

Für die aktuelle Studie wurden rund 2000 Schüler, Lehrer und Schulleitungen sowie Experten aus Politik und Verwaltung befragt. Ein Großteil der Lehrkräfte und Schulleitungen sieht Vorteile der Digitalisierung hauptsächlich im administrativen Bereich. Das liegt zum einen an der noch immer mangelhaften technischen Infrastruktur und am fehlenden Support, zum anderen wird nach wie vor von vielen Lehrkräften der pädagogische Nutzen der digitalen Medien angezweifelt. Das sehen die Schülerinnen und Schüler ganz anders: 80 Prozent wünschen sich einen vielseitigeren Einsatz digitaler Medien und glauben, dass sie dadurch im Unterricht aktiver und aufmerksamer sein würden. Dagegen messen nur acht Prozent der Schulleitungen der Digitalisierung hohe strategische Bedeutung für die Ausrichtung ihrer Schule bei.

Insgesamt bescheinigt die Studie ein konzeptionelles und technisches Vakuum in Bezug auf den Einsatz digitaler Medien sowohl in Schulen als auch in der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte. Dass der digitale Wandel unaufhaltsam ist, darin herrscht Einigkeit – nur wie er gestaltet werden kann bleibt für Lehrkräfte und Schulleitungen eine offene Frage.

DigitalPakt Schule – nur verschoben oder abgesagt?

Am 1. Juni berichteten wir über ein gemeinsames Eckpunktepapier von Kultusministerkonferenz (KMK) und Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zum Digitalpakt Schule, das die KMK auf einer Pressekonferenz (ohne Beteiligung des BMBF) vorgestellt und auf Ihrer Website zum Download bereitgestellt hatte. Dieser Link ist inzwischen mausetot. Über die Gründe lässt sich trefflich spekulieren.

Die Zeitschrift c’t berichtete bereits in ihrer Ausgabe 14/2017 (S. 72), dass der DigitalPakt Schule ins Stocken geraten sei. Wohl auch, weil es seitens des Bundesfinanzministers noch keine Finanzierungszusage gäbe. In den Eckwerten des Bundeshaushaltes 2018 seien zwar diverse Einzelvorhaben des BMBF enthalten – nur eben der Digitalpakt fehle noch.

Der Blogger Jan-Martin Wiarda berichtet jetzt von einem Brief, den die KMK-Präsidentin und Baden-Württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, Susanne Eisenmann, nun an ihre Bundeskollegin Johanna Wanka geschrieben habe und darin um klare Positionierung des BMBF bitten soll. Weiterhin berichtet er von einem Interview des Hamburger Bildungssenators Ties Rabe in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in dem ebenfalls unterstellt worden sei, dass das BMBF das Geld noch gar nicht hat und dass der Digitalpakt womöglich platzen könnte.

Auch die Badische Zeitung berichtet in ähnlichem Tenor und kommt zu dem Schluss, dass das BMBF vor der Bundestagswahl keine Vereinbarung abschließen wolle und das „vorläufige“ Eckpunktepapier von der Website der KMK habe löschen lassen.

Eigentlich haben sich aber alle Beteiligten inzwischen recht weit aus dem Fenster gelehnt, als dass das Gesamtpaket noch scheitern könnte. Was dann aber am Ende davon übrig bleibt – darüber darf weiter spekuliert werden.

Computer + Unterricht zum Thema „Clouds“ erschienen!

Andreas Breiter und Björn Eric Stolpmann haben die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Computer + Unterricht (Nr. 106/2017) mit herausgegeben, die sich mit den Potenzialen von Cloudlösungen für die Medienbildung befasst, die längst nicht mehr nur im Ort „Schule“ stattfindet, sondern sehr mobil auch bei den Schülerinnen und Schülern zu Hause, am Nachmittag in gemeinsamen Lerngruppen oder auf Studien- und Projektfahrten, so dass auch die Daten und die sie verarbeitenden Anwendungen ständig verfügbar sein müssen.

Cloud Computing kann mobiles Lernen durch ganz unterschiedliche Dienste unterstützen. Dazu gehört das Verwalten von Identitäten, die sichere und rechtskonforme Speicherung der Daten, die Nutzung von Kommunikations- und Kollaborationsmitteln sowie Anwendungen und Unterrichtsmedien die zentral (und ohne Installation) über einen Browser genutzt werden können. Im Idealfall können alle diese Dienste über ein gemeinsames zentrales Portal zugegriffen werden.

Die Beiträge in diesem Themenheft sollen Schulen sowie Lehrkräften Anregungen geben, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Die vorgestellten Beispiele zeigen einerseits die Potenziale auf, die entstehen, wenn verschiedene Dienste in die Cloud verlagert werden. Es wird aber auch deutlich, dass es sich um ein voraussetzungsreiches Vorhaben handelt, dass umfangreich geplant werden muss. Neben den rein technischen Grundlagen, sind vor allem auch organisatorische und rechtliche Fragestellungen zu beantworten. Dann können diese Modelle das Methodenspektrum für den Unterricht und die außerschulische Nutzung deutlich erweitern.

Zum Friedrichverlag: Computer + Unterricht Nr. 106/2017 „Clouds“

Eckpunkte zum DigitalPakt Schule

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat am 1. Juni 2017 in Stuttgart ein „Bekenntnis“ zu den Eckpunkten einer Bund-Länder-Vereinbarung zur Unterstützung der Bildung in der digitalen Welt im Bereich der Schule („DigitalPakt Schule“) abgegeben. Diese seien das Ergebnis von monatelangen intensiven Verhandlungen zwischen Bund und Ländern auf Ebene der Staatssekretäre. Der Bund hat dabei rund fünf Milliarden Euro von 2018 bis 2022 für den Ausbau der IT-Infrastruktur in den Schulen „in Aussicht gestellt“

Digitalisierung oder Medien-Schonraum Kita?

Medienpädagogik positioniert sich für einen dritten Weg: kindgerechte Medienbildung von Anfang an. Angesichts der sich rasant entwickelnden digitalen Gesellschaft, die die Lebenswelten von Kindern und Familien zunehmend mitbestimmt, spricht sich die GMK-Fachgruppe-Kita in diesem Positionspapier dafür aus, auf breiter Linie, entlang der gesamten Bildungskette, eine Medienbildung zu verankern, die an den Kindern orientiert ist. Welche Bedingungen dafür geschaffen werden müssen, auf welchen Grundlagen sie basiert, welche vielfältigen Bildungsbereiche mit Medienbildung und Medienerziehung verknüpft sind, darüber informiert das Postionspapier.

Gemeinsam geht es besser – Medienbildung in Schulen mit außerschulischen Partnern

Die Freiwillige Selbstkontrolle Medien (FSM)  gibt eine Studie zur Medienbildung in Schulen mit außerschulischen Partnern heraus. Ein Gewinn ist die Kooperation vor allem dann, wenn ein übereinstimmendes Verständnis von Medienbildung besteht. Außerschulische Akteure bringen andere Kompetenzen ein, die als Ergänzung zum schulischen Lernen mit Medien fungieren. Aktuelle Trends und Medienentwicklungen mit Bezug zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen gehören zum Fachwissen ebenso wie spezifische Produktionstechniken und die Möglichkeit professioneller Medienproduktion. Beiderseits gibt es genaue Vorstellungen darüber wie sich eine gute Zusammenarbeit gestalten sollte. Die Verankerung des Themas Medienbildung in der Schule ist dabei eine notwendige Voraussetzung.

Die Studie ist abrufbar unter www.medien-in-die-schule.de/bildungspartnerschaften.

 

Positionspapier des Deutschen Städtetages zum Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter

Wohl auch als Antwort auf die Konkretisierung der Bund-Länder-Bemühungen zum DigitalPakt#D hat der Deutsche Städtetag ein Positionspapier verabschiedet.

Darin wird an den Bund die Erwartung formuliert, dass er sich (finanziell) an einem Masterplan „Ausbau digitaler Bildung“ beteiligt und für bundesweit einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien sorgt. Damit soll er eine bessere Vernetzung der in den  Ländern vorhandenen digitalen Plattformen schaffen, in die Schulträger digitale Lehr- und Lernmittel einbinden können. Außerdem soll er die Anwendungsforschung im Bereich der digitalen Bildung besser fördern.

Weiterhin wird erwartet, dass die Länder den Ausbau der digitalen Bildung als eine Gemeinschaftsaufgabe von Ländern, Bund und Kommunen begreifen und in enger Abstimmung mit den kommunalen Schulträgern vorantreiben. Lehrkräfte sollen über Aus-und Fortbildung in die Lage versetzt werden, die von den kommunalen Schulträgern finanzierten und bereitgestellten digitalen Medien im Unterricht bedarfsgerecht einsetzen zu können. Weiterhin sollen Mindeststandards für die digitale Infrastruktur der Schulen unter Beteiligung der kommunalen Spitzenverbände gesetzlich verbindlich festgelegt und entsprechend der jeweiligen konnexitätsrechtlichen Regelungen auskömmlich und verlässlich finanziert werden. Landesweite Lernplattformen sollen aufgebaut werden, die von den kommunalen Schulträgern entgeltfrei genutzt werden können. Und natürlich sollen mit den kommunalen Spitzenverbänden auf Landesebene Verhandlungen über den Support geführt werden. Die Länder sollen die Fördermittel des Bundes ungekürzt, zeitnah und möglichst unbürokratisch an die kommunalen Schulträger weiterleiten und eine mögliche Bundesförderung durch eigene Förderprogramme ergänzen, alles natürlich inhaltlich aufeinander abgestimmt. Durch die Vereinbarung von Rahmenverträgen (z. B. zu Standards, Schnittstellen, Formaten und Lizenzmodellen) auf Länderebene sollen die Schulträger dabei unterstützt werden, die Schulen mit digitalen Lehr- und Lernmedien auszustatten. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sollen wo nötig geklärt und vereinheitlicht werden.

Für die Mitgliedsstädte spricht der Deutsche Städtetag die Empfehlung aus, den Ausbau einer standardisierten digitalen Infrastruktur auf Grundlage von mittelfristig ausgerichteten und regelmäßig fortzuschreibenden kommunalen Medienentwicklungsplänen und durch die Schulen zu erstellender Medienbildungskonzepte nach dem Grundsatz „Technik folgt Pädagogik“ vorzunehmen. Schulgebäude sollen mittels Glasfaser an das Breitbandnetz angeschlossen, die Unterrichtsräume mit Funknetzen versehen und die Ausstattung mit digitalen Lehr- und Lernmaterialien bedarfsgerecht und sukzessive erhöht werden. Für den Betrieb soll eine ausreichende Ausstattung mit Support-Personal erfolgen und dieses regelmäßig fortgebildet werden. Alles soll in enger Zusammenarbeit mit den kommunalen Medien- und Rechenzentren sowie den Medienberatungen der erfolgen.