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Bremen investiert in die Digitalisierung der Bildung

Der Bremer Senat hat am 7. Juli 2020 nicht zuletzt vor den Auswirkungen der Corona Krise für das Bildungssystem umfangreiche Maßnahmen für die Digitalisierung der Schulen beschlossen. In einer gemeinsamen Pressemitteilung haben die Senatorin für Kinder und Bildung und der Senator für Finanzen bekannt gegeben, dass alle 7.680 Lehrkräfte und Referendar*innen sowie alle 90.000 Schüler*innen ein iPad (geliehen) bekommen sollen. Damit soll der Zugriff auf das landesweite Lernmanagementsystem itslearning sichergestellt werden, dessen Nutzung für Lehrkräfte künftig im Rahmen einer neuen Dienstvereinbarung verpflichtend werden soll. Bremen ist damit das erste Bundesland, das flächendeckend alle Lehrenden und Lernenden mit einem digitalen Endgerät ausstattet. Begonnen werden soll neben dem Lehrpersonal mit rund 30.000 Schüler*innen, die in einem Haushalt mit schwierigen sozialen Herausforderungen leben. Insgesamt rund 52 Mio. Euro will das Bundesland Bremen dafür in die Hand nehmen. Darüber hinaus sollen auch Fortbildungen und der technische Support sichergestellt werden, wofür in einem ersten Schritt rund 27 neue Stellen geschaffen werden sollen.

Wie wird ein virtueller Workshop zu einem guten Erlebnis?

In dem Blogbeitrag „Videobotschaften aus dem Homeoffice“ berichteten wir bereits davon, dass wir die aufgrund von Corona abgesagten Workshops im Rahmen der Medienentwicklungsplanung nicht einfach in ein digitales Format übertragen wollten. Unsere Workshops sind davon geprägt, dass wir durch die Zusammenarbeit in Kleingruppen und den gemeinsamen Erfahrungsaustausch eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre schaffen.

Für viele Vertreter*innen der Schulen ist es eine ungewöhnliche Situation und auch wir haben unsere Arbeit bisher vorrangig persönlich und vor Ort ausgeübt. Es ist etwas anderes, wenn man sich in Person sieht und gemeinsam an etwas arbeitet, folglich bekommt die Zusammenarbeit im virtuellen Raum eine andere Bedeutung und erfordert auch eine neue Herangehensweise. Workshops müssen neu konzipiert und organisiert werden. Wir haben uns bei der Konzeption der digitalen Workshops daher die Frage gestellt: Wie können wir die virtuelle Kollaboration so gestalten, dass wir bei den Schulen das Engagement wecken, Bedarfe zu kommunizieren und das Vertrauen schaffen, sich offen über Erfahrungen auszutauschen?

Die Workshops zur Bedarfsermittlung dienen uns als Grundlage für den Medienentwicklungsplan. Mit den Schulen werden eine gemeinsame Linie für das Soll definiert und Unterschiede zwischen den Schulformen herausgearbeitet. Bei der Gestaltung des Workshopkonzepts hat es uns daher geholfen, dass wir uns noch einmal mit den folgenden vier Bereichen auseinandergesetzt haben. Wir haben unsere bisherigen Antworten zu den Fragen reflektiert, um zu überprüfen, was sich verändern kann und muss, wenn der analoge zu einem digitalen Austausch wird.

Das Ziel
Welche Ziele verfolgen wir mit dem Workshop? Welche Ergebnisse erwarten wir nach der Durchführung? Wie fügen sich die Ergebnisse in die Medienentwicklungspläne ein? Wie müssen die Ergebnisse aufbereitet werden?

Der Mensch
Wie können wir die Teilnehmer*innen in den Fokus des Workshops setzen? Wie können wir auch die Personen mitnehmen, die nicht gerne vor der Kamera sprechen? Welche Teilnehmer*innenzahl ermöglicht eine effektive Diskussion?

Das Konzept
Wie soll der Workshop ablaufen? Wie viel Zeit wird benötigt? Mit welchen Aufgaben erlangen wir welche Informationen?

Das Tool
Welche(s) Tool(s) brauchen wir, um das Ziel und die gewünschten Ergebnisse zu erreichen? Welche Tools können genutzt werden (z. B. in Bezug auf DSGVO)? Wie viel Erklärung bedarf die Nutzung des Tools? Welche Informationen zum Tool müssen vorab zur Verfügung gestellt werden?

Die Reflexion unserer bisherigen Arbeit und Ziele war der Ausgangspunkt für die Entwicklung eines zweistufigen Verfahrens. Im ersten Schritt haben die Schulen ihre Anforderungen in einem von uns entwickelten webbasierten Tool dokumentiert, andere kommentiert und bewertet. Über dieses Tool konnten wir noch mehr Teilnehmer*innen als vorher erreichen und so eine Bandbreite an Anforderungen verschiedener Anspruchsgruppen der Schulen erhalten. Im zweiten Schritt haben wir wiederum mit einer kleineren Gruppe von Vertreter*innen aller Schulformen mithilfe eines Videokonferenztools über die Ergebnisse diskutiert, Anforderungen gebündelt und schulformspezifische Unterschiede herausgearbeitet.

Nach der Durchführung von mittlerweile mehr als zehn digitalen Workshops innerhalb verschiedener Projekte haben auch wir einiges an Erfahrungen mitgenommen. Für den virtuellen Austausch können wir daher noch folgende Tipps mitgeben:

  • Ziele und erwartete Ergebnisse: Es ist wichtig, sowohl vorab als auch zu Beginn des Workshops klar zu kommunizieren, was das Ziel und die erwarteten Ergebnisse sind, damit alle Teilnehmer*innen in die gleiche Richtung laufen.
  • Moderation: Der/die Moderator*in führt die Diskussion und baut bei den eigenen Beiträgen Sprechpausen ein, um Raum für Anmerkungen und Fragen zu lassen. Bei unserem Videokonferenztool gibt es die Funktion als Teilnehmer*in über ein Symbol die Hand zu heben. So werden alle Wortmeldungen der Reihe nach gelistet und können durch den/die Moderator*in aufgerufen werden. Zudem ist es als Moderator*in sinnvoll, Beiträge zu einem Thema noch einmal zusammenzufassen und ggf. Verständnisfragen zu klären.
  • Zeit: Im besten Fall ist man zu zweit und kann sich die Aufgaben aufteilen, sodass eine Person als Zeitnehmer*in fungiert und frühzeitig kommuniziert, wenn die nächste Frage zur Diskussion gestellt werden muss.
  • Dauer: Auch die Entscheidung für die Dauer des virtuellen Workshops ist relevant. Anstelle eines Tagesworkshops sollten lieber kürzere und mehrere Einheiten mit entsprechenden Pausen geplant werden.
  • Technik: Ansonsten können wir auf jeden Fall empfehlen, genügend Zeit für einen Technikcheck zu organisieren und lieber mehr Hilfestellung zur Nutzung der Tools zu geben als zu wenig.

Insgesamt hat sich gezeigt, dass die Methoden, die wir in dem zweistufigen Verfahren zur Bedarfsermittlung anwenden, gut ineinandergreifen und relevante Ergebnisse hervorbringen. In den letzten Wochen konnten wir so über unser webbasiertes Tool allein für einen MEP mehr als 115 Anforderungen, 903 Kommentare und Bewertungen sammeln. Die Inhalte lieferten Lehrkräfte, Medienverantwortliche und -berater*innen bis hin zu Schulleitungen und Schulträgern. Und auch die digitalen Workshops, in denen wir Teilnehmer*innenzahlen von sechs bis zu 20 hatten, haben einen vielfältigen und konstruktiven Austausch entstehen lassen. Landrät*innen und Schulträger sprachen hier Begrüßungsworte und ließen danach Vertreter*innen aller Schulformen sowie sogar der Schüler*innen und Eltern miteinander diskutieren.

Und letztlich ist es auch okay, wenn mal etwas nicht auf Anhieb funktioniert. Hier gilt es mit genügend Flexibilität zu reagieren und aktiv mit allen zu kommunizieren und immer wieder abzuholen. An dieser Stelle möchten wir uns auch noch einmal bei allen Teilnehmer*innen für ihre Offenheit und ihr Engagement und für das positive Feedback, das an uns herangetragen worden ist, bedanken.

Videobotschaften aus dem Homeoffice

Bahnreisen nach Hessen, Mecklenburg-Vorpommern oder ins benachbarte Niedersachsen konnten wir in den vergangenen Wochen aufgrund der Pandemiebestimmungen nicht wie gewohnt antreten. Bereits geplante und terminierte Informationsveranstaltungen und Workshops im Rahmen der Medienentwicklungsplanung sollten aber zulasten der Haushaltsplanungen nicht auf ungewisse Zeit verschoben werden. Eine direkte Übertragung der Veranstaltungen in digitale Formate kam für uns ebenso wenig infrage. Wir haben die Konzepte daraufhin auf die derzeitigen Anforderungen zugeschnitten. Um über die nächsten Schritte, angepasste Verfahren und eingesetzten Tools zu informieren haben wir anlassbezogen kleine Videobotschaften im Homeoffice produziert und versendet. Daneben haben sich auch kleine Hilfestellungen mit Praxistipps als überaus hilfreich erwiesen, wie z.B. eine „Netiquette“ für Videokonferenzen und Webinare (siehe unten). Auf diese Weise gelang es uns, Schulträger und Lehrkräfte flexibel zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht zu erreichen und auch Teilnehmende zu gewinnen, die bisher wenig mit digitalen Tools gearbeitet haben.

„Netiquette“ für Videokonferenzen und Webinare

Medienentwicklungsplanung aus dem Home Office … Warum eigentlich nicht?

als unser Team um die Medienentwicklungsplanung die Verlagerung der Arbeit ins Home Office und die Kita- und Schulschließung ereilte, mischte sich wiederstreitend mehr Sorge, Verantwortungsbewusstsein, Entschlossenheit, Dankbarkeit und auch Unsicherheit in unser Berufsleben als zuvor. Auch wir haben Kinder, leben in Wohngemeinschaften mit punktuell oder permanent überlasteter Netzanbindung, gehören selbst zu Risikogruppen oder kümmern uns.
Gleichzeitig waren wir uns einig, dass die Medienentwicklungspläne als ein wichtiger Baustein für die dringend notwendige Weiterentwicklung der IT an Schulen, unbedingt weitergeschrieben werden müssen. Hier können wir einen wichtigen Beitrag leisten. Aber nur in der gewohnten Qualität. Also wie kann das funktionieren?

Die typischen Phasen der Erstellung eines Medienentwicklungsplans bei der ifib consult (Initialisierung, Bestandsaufnahme, Bedarfsermittlung, Konzepterstellung und Berichtslegung, Gremienarbeit) haben wir kritisch geprüft und auf die neuen Erfordernisse angepasst. Auf den folgenden (Querschnitts-)Themen lag dabei ein Augenmerk: Befähigung des Teams (Ausstattung), interne Abstimmung und Motivation, externe Abstimmung und Austausch, Befragungen und Workshops mit Schulen und Schulträgern, Qualitätssicherung.

In den meisten der genannten Bereiche werden seit geräumiger Zeit digitale Anwendungen verwendet, die auch aus dem Home Office gut vor-/nachbereitet und eingesetzt werden können, beispielsweise unsere Befragung von Schulen. Diese Tatssache hat uns die schnelle Umstellung sehr erleichtert. Und bis auf vereinzelt fehlende Headsets, Monitore oder die notwendig gewordene Abstimmung über Bandbreitennutzung ist das Team gut ausgestattet. Denn bisher waren wir in der Bundesrepublik unterwegs und haben auch dort per mobilem Endgerät gearbeitet, mit verschlüsselter Verbindung auf unsere Dokumentenablage zugegriffen und intern eine Kommunikationsplattform genutzt. Die interne Abstimmung ist nun leicht anders charakterisiert. Kommunikationsstrukturen wurden angepasst z.B. Arbeitspläne mit höherem Detailgrad und Zuständigkeit erstellt, um kleinere Abstimmungsgespräche (üblicherweise stattfindend in der Kaffee/Teeküche….) zu vermeiden. Austausch über (koffeinhaltige) Heißgetränke und andere informelle Themen finden ihre Zeit und ihren Ort in einer dafür vorgesehenen wöchentlichen Videokonferenz.

Schneller Ideenreichtum war u.a. bei dem Workshopkonzept gefragt, denn die nächsten Workshops waren in wenigen Wochen vorgesehen und sollten trotz Schulschließung mit Blick auf die termingerechte Haushaltsplanung durchgeführten werden. Bisher war der direkte Austausch mit den Schulvertretungen über ihren Alltag und die sich daraus ergebenen Bedarfe an die IT-Ausstattung wichtigstes Element der Workshops. Eine einfache Übersetzung in den digitalen Raum kam für uns nicht in Frage. Erfordert eine andere Umgebung doch andere, adäquate Methoden, die durchdacht sein wollen und die Eigenschaften des Mediums bestmöglicht nutzen. Die ersten Workshops waren für die Teilnehmenden und für uns Neuland. Mit einem Methoden-Mix konnten wie aus den Präsenzworkshops sehr wertvolle Informationen für die Erstellung der Medienentwicklungspläne extrahiert werden. Gleichzeitig wird ein hochgradig transparenten Ansatz verfolgt, der sogar mehr Schulvertretungen und Lehrkräften als bisher die aktive Beteiligung ermöglicht. Wir danken allen Beteiligten für das Vertrauen und den Invest an Zeit in dieser besonderen und zumeist noch arbeitsreicheren Zeit.

Unsere Medienentwicklungsplanerinnen und -planer grüßen an dieser Stelle herzlich mit einer kleiner Momentaufnahme unserer letzten Besprechung im MEP-Team.

ifib consult: MEP-Team
Auch wenn wir inzwischen schon wieder vereinzelt im Büro und, unter Einhaltung der lokalen Bestimmung, bei „unseren“ Schulträgern vor Ort sind, findet der Hauptteil der Arbeit im heimischen Büro statt. Dabei können wir auf Wunsch alle Phasen der Erstellung eines Medienentwicklungsplans auch virtuell durchführen, in der gewohnten Qualität.

Regionale Medienentwicklungsplanung für den Landkreis Rotenburg

Einheitliche Bedingungen und Standards für alle Schulen bei der IT-Ausstattung, dessen Betrieb und Support, das ist das Ziel des Landkreises Rotenburg und aller Schulträger. Die ifib consult hat sich nach einer Bewerbungsphase zu Beginn des Jahres erfolgreich gegen Mitbewerber*innen durchgesetzt und kann nun den Landkreis Rotenburg bei der Erreichung dieses Ziels unterstützen. Nach der offiziellen Auftaktveranstaltung für alle beteiligten Schulträger am 18.05.2020 geht es nun los mit der Bestandsaufnahme der Schulen der Kommunen und zwei privaten Schulträgern. Die nächsten Monate wird uns und den Landkreis mit den kreisangehörigen Gemeinden dann die Frage begleiten, wie man sich für die nächsten fünf Jahre aufstellt und welche Möglichkeiten sich daraus für die Zukunft ergeben werden, damit die Schulen für die digitale Zukunft gerüstet sind.

Das Projektteam – bestehend aus Dr. Anja Zeising, Lea Telle, Marten Borchers und Mariele Müller – freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Rotenburg und die gemeinsame Entwicklung des regionalen Medienentwicklungsplans.

Weitere Informationen zu den Beteiligten und den Zielen seitens des Landkreises finden Sie in der offiziellen Pressemitteilung, die durch den Landkreis Rotenburg veröffentlicht wurde.

Schule im Lock-Down – Lernplattformen als Klassenraumersatz?

Wer hätte gedacht, dass einmal alle Schulen, Kindergärten und große Teile unserer Wirtschaft von heute auf morgen schließen und wir alle auf Abstand gehen müssen? Vermutlich wird dies kaum einer für möglich gehalten haben, ich zumindest nicht. Die Krise trifft uns alle und einige Bereiche besonders schwer. Aktuell tritt dies im Bereich der Bildung besonders deutlich hervor und zeigt, dass ein dezentraler und digitaler Schulbetrieb häufig nur begrenzt oder kaum möglich ist, wobei es auch Ausnahmen gibt!

Häufig wird an dieser Stelle der Einsatz von Lernplattformen bzw. Lern-Management-Systemen (LMS) als Ausweg genannt, da die existierenden Systeme auf dem Markt unter anderem damit werben, den Schulbetrieb auf digitale Weise maßgeblich zu unterstützen. Fraglich ist aber, welche Anforderungen und Funktionen hierfür notwendig sind, sodass der Einsatz eines LMS den Unterricht fördert und die pädagogischen Bedarfe möglichst passgenau unterstützt.

Lernplattformen gibt es seit vielen Jahren, zwei Beispiele dafür sind die frei verfügbaren Systeme CommSy und Moodle die bereits seit 1999 und 2001 existieren. Über die Jahre hat sich das Angebot allerdings stark erweitert, sodass neben den genannten, auch Alternativen wie z. B. Stud.IP, WebWeaver, itslearning, iServ und vieles mehr, existieren. Während frühe Systeme sich auf das Arbeiten in bzw. mit Kursen fokussierten, wurden die Systeme über die Jahre hinweg geöffnet, erweitert und sind heutzutage meist mächtige Cloud-Anwendungen. Neben Möglichkeiten des Datenaustausches bieten diese auch Funktionen wie Wikis, Foren, Chats, Kalender, Termin-, Gruppen-, Ressourcenverwaltung und vieles mehr, an. Einzelne Systeme beinhaltet zudem auch Möglichkeiten der Softwareverteilung und können so auch die Arbeit des Supports vereinfachen, dazu in folgt in einem späteren Blogeintrag mehr.

In den letzten Jahren ist außerdem ein Trend zur Interaktivität und zur Einbindung externer Tools und Inhalte zu erkennen, sodass Umfragen, Videokonferenzen, Dashboards und per Schnittstelle weitere Systeme anderer Hersteller eingebunden werden können. Unterrichtsszenarien können daher wie folgt ablaufen und das asynchrone Lernen, insbesondere in der Oberstufe, stärken.

 – ein innovatives Szenario –


Bleiben wir bei der aktuellen Corona-Situation und stellen Sie sich die Schülerin und/oder den Schüler zu Hause vor ihrem Endgerät vor. Über die Lernplattform wurde für, in diesem Fall, den Deutschunterricht ein Dokument (z. B. ein Ausschnitt aus einem Buch) am Montag bereitgestellt, welches die Schülerinnen und Schüler bis Mittwoch lesen sollen. Am Mittwoch findet dann via LMS eine Videokonferenz statt, in der die Beteiligten Fragen stellen können und die Lehrkraft individuell und nach Bedarf auf Inhalte im Detail eingehen kann. Anschließend müssen alle Schülerinnen und Schüler an einer über das LMS angebotenen Umfrage teilnehmen. Diese wurde vorab erstellt, wird von der Lehrkraft freigegeben und beinhaltet zweit verschiedene Typen von Fragen. Erstens, Fragen, die auf den Inhalt des Dokuments abzielen und zweitens, Fragen zum Bearbeitungsablauf (z. B. über Probleme oder Unklarheiten). Die Umfrage wird anschließend ausgewertet und bei geschlossenen Fragen kann dies ggf. auch automatisiert über das LMS erfolgen.

Anschließend verteilt die Lehrkraft die nächste Aufgabe, die bis Freitag bearbeitet werden soll. Hierbei erhalten die Lernenden in Abhängigkeit der Ergebnisse aus der Umfrage unterschiedliche Hausaufgaben, sodass leistungsstarke als auch -schwache Schülerinnen und Schüler nach Bedarf gefördert werden (vgl. Binnendifferenzierung). Die Verteilung der Aufgaben kann dabei per Mail oder Chat erfolgen. Bis Freitag müssen die Schülerinnen und Schüler dann die Ergebnisse der zweiten Aufgabe im LMS in einen dafür eingerichteten Ordner hochladen, sodass die Lehrkraft die Abgaben anschließend bewerten kann. Zusätzlich haben alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich während der Bearbeitungsphase bei Fragen via Chat o. Ä. an die Lehrkraft zu wenden.


Das beschriebene Szenario macht den Mehrwert von Lernplattformen deutlich und ermöglicht, in diesem Fall, den digitalen Unterricht. So einfach wie sich dieses Szenario allerdings liest, ist es in der Realität meist aber nicht. Nur wenige Systeme bieten den benötigten Funktionsumfang an, sodass bei der Auswahl vorab die genauen Bedarfe detailliert aufzunehmen sind, um spätere Überraschungen zu vermeiden. Auch ist vorab zu klären, ob die Schule bzw. die Lehrkräfte überhaupt ein solches oder vergleichbares Szenario anstreben, da die Ausstattung dem Primat der Pädagogik folgen soll! Auch benötigen Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler pädagogisch geeignete Endgeräte und eine gute Internetanbindung. Darüber hinaus ist die Vor- und Nachbereitungszeit seitens der Lehrkräfte nicht zu unterschätzen. Ähnlich verhält es sich auch bei der Einarbeitungszeit in ein neues System, weshalb diese Bereiche gezielt durch Fortbildungen zu adressieren und zu unterstützen sind. Hinzu kommen rechtliche Fragen, die zum einen den sicheren Betrieb als auch den Dokumentenaustausch betreffen. So dürfen z. B. nur Dokumente genutzt und geteilt werden, für die notwendige Lizenzen vorliegen, da ansonsten urheberrechtliche Verstöße drohen. Auch ist ungeklärt zu welchem Grad Lehrkräfte über das LMS erreichbar sein sollen und ob die Einbeziehung von Eltern, insbesondere in der Primarstufe, sinnvoll ist.

Lernplattformen haben das Potenzial, den Unterricht nachhaltig zu stützen und mittel- und langfristig zu erweitern. Kurzfristig kann so ggf. auch auf Präsenslehre verzichtet werden, wobei kein System der Welt den zwischenmenschlichen Austausch dauerhaft ersetzen kann und Schule, neben den unterrichtsrelevanten Inhalten auch ein breites Spektrum an sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen vermittelt. Für diese wird der vor Ort Unterricht, als auch die Zeit auf dem Pausenhof, auch weiterhin gefragt sein.

Der aktuelle LMS-Hype ist hierdurch zumindest verständlich, da sich durch COVID-19 die Bedarfe schlagartig verändert haben. Letztendlich wird dadurch aber nur deutlich, dass die vergangenen Bemühungen Schulen zu digitalisieren nicht ausreichten und diese Defizite nun im Eiltempo behoben werden müssen.

Handreichung zur Medienentwicklungsplanung in Schleswig-Holstein mit Unterstützung des ifib

Das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) hat eine Handreichung zur kommunalen Medienentwicklungsplanung für Schulträger in Schleswig-Holstein herausgegeben, die unter tatkräftiger Mitarbeit des ifib entstanden ist.

Der Schwerpunkt der Handreichung liegt auf den Aufgaben, die zu leisten sind, wenn ein Schulträger in Schleswig-Holstein den Prozess der Medienentwicklungsplanung selbst ausgestalten möchte und gibt dafür viele Tipps und Hilfestellungen.

Auch wenn in der Handreichung vor allem auf die Situation in Schleswig-Holstein mit seinen vielen kleinen Schulträgern eingegangen wird und vielfach Bezüge zu den Vorgaben und Unterstützungsangeboten des Landes Schleswig-Holstein hergestellt werden, gibt es natürlich viele allgemeingültige Empfehlungen, die auch für kommunale Schulträger in anderen Bundesländern hilfreich sein können.

Die Handreichung kann auf den Webseiten der Medienberatung des IQSH heruntergeladen werden.

Medienkompetenz im Viererpack für Bremen

„Das Ruder“ 2019: Preisträger*innen, Förder*innen und Laudator*innen

Zum vierten Mal jährte sich am 22. August 2019 die Preisverleihung des Ermöglicher*innen-Preises „das Ruder“ der (bre(ma. Fokus der Förderung liegt dabei darauf, die Umsetzung medienpädagogischer Projekte, die Medienkompetenz im nachhaltigen Sinne einer Mündigkeit verstehen, zu ermöglichen.
Bei sommerlichen Temperaturen und kühlen Getränken hielt die Senatorin für Kinder und Bildung Dr. Claudia Bogedan die Begrüßungsansprache in der Union Brauerei. Nachdem anschließend die Ergebnisse der drei Gewinnerprojekte aus dem Vorjahr audiovisuell dargeboten wurden, durften sich in diesem Jahr erstmals vier Projekte, angekündigt und vorgestellt durch prominente Laudator*innen, über einen Förderpreis freuen.
Wir gratulieren ebenfalls herzlichst:

  • „Erklär doch mal – Medien in der Kita leicht gemacht“ vom Verein Blickwechsel
  • „Programmieren mit Lego-Wedo am iPad“ von Nils Ohldenbusch
  • „Hood Films“ von der Stiftung Aktion Hilfe für Kinder
  • „Jump ’n‘ Run – analog ’n‘ digital“ von Tatjana Blaar

Die Aufholjagd kann beginnen

Mit der Unterzeichnung der Verwaltungsvereinbarung zum Digitalpakt ist dieser nun in Kraft getreten und damit ein weiterer wesentlicher Schritt in Richtung Digitalisierung der Schulen getan. Dass damit der Startschuss für eine längst überfällige Aufholjagd gefallen ist, thematisiert der WESER-KURIER in seinem Artikel auf dem Weg ins digitale Klassenzimmer. Dieser Schritt werde mitunter jedoch kontrovers betrachtet. Kritische Stimmen äußern die Sorge, dass die Digitalisierung vielerlei Gefahren mit sich bringt und Etabliertes verdrängen könnte. Demgegenüber führen Befürworter*innen an, dass nicht nur Schüler*innen, wie beispielsweise im Sinne einer lebensweltnähren Ausrichtung des Unterrichtes, sondern auch Lehrer*innen, durch die Erleichterung von Arbeitsprozessen, von der Digitalisierung profitieren. Dabei konkurriert die Digitalisierung der Schulen keineswegs mit den etablierten Kulturtechniken. Es ist vielmehr unabdingbar, beides verzahnt miteinander zu denken, damit sich zeitnah alle Schulen auf den Weg ins digitale Klassenzimmer begeben können.

Der DigitalPakt Schule ist beschlossen. Aber!

Nachdem der Bundestag dem Einigungsvorschlag des DigitalPaktes Schule am vergangenen Freitag mit der erforderlichen Zweidrittel-Mehrheit zustimmte, ist dieser nun beschlossene Sache und auch Bremen kann endlich loslegen. In einem Gastbeitrag im Weser Kurier verweist Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss, Mitglied des Rates für kulturelle Bildung, jedoch darauf, dass eine technische Ausstattung und Infrastruktur, welche der DigitalPakt vorrangig vorsieht, nur dann ihre Wirksamkeit in Schule entfalten könne, wenn auch die notwendige Peripherie wie beispielsweise Fort- und Weiterbildung sowie Steuerung und Hilfe mitgedacht, konzipiert und umgesetzt werde. Damit eine an den pädagogischen Bedarfen orientierte sowie nachhaltige Umsetzung des DigitalPaktes auch wirklich stattfinden kann und es nicht auf eine mitunter befürchtete „Ausstattungsschlacht“ hinausläuft, halte ich eine Berücksichtigung dieser Forderungen für unumgänglich.